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linolsäure
- viel oder wenig ?
einführung :
die diäten von o.hebener (grundlage fratzer) und o.adam sind sich
einig mit dem ziel, den arachidonsäurespiegel im körper zu senken.
auch sind sich beide einig, dass hierbei eine vegetarische oder beinah
vegetarische kost von vorteil oder gar wichtig ist. jedoch, und hier findet
sich der unterschied der beiden diäten, ist der umgang mit dem pflanzlichen
weg der arachidonsäureherstellung über linolsäure. wie
sehen diese beiden hypothesen aus, bzw. welche schlussfolgerungen kann
man aus diesen ziehen ?
kurz: arachidonsäure
gilt als brennstoff von entzündungsvorgängen, weshalb u.a. die
diäten von fratzer/hebener und adam darauf zielen, die arachidonsäure
soweit wie möglich zu reduzieren. mehr dazu im kapitel "arachidonsäure".
laut adam soll der syntheseweg
von linolsäure zu arachidonsäure im tierischen und somit auch
menschlichen organismus nur im bedarfsfall aktiv sein, da er energetisch
zu aufwenig sei und unerwünschte begleitreaktionen verursacht.
theoretische überlegungen
und biochemische messungen ergeben zudem die empfehlung, dass eine erhöhte
linolsäurezufuhr zusätzlich positive auswirkungen auf die
verfügbarkeit von arachidonsäure im körper hat und so auch
entzündungshemmend wirkt. (adam durch hebener)
hebeners empfehlungen
sind hier nun anders, als dass er eine linolsäurearme kost
befürwortet. obwohl, wie er selbst schreibt, die wissenschaftliche
beweiskette das gegenteil plausibel macht. hierzu seine begründung
(gekürzt zitiert aus "fundamente der hoffnung) :
1. es mag sein, dass
die stoffwechseltechnische herstellung von arachidonsäure aus linolsäure
energetisch aufwendig ist und vielleicht nur im bedarfsfall aktiviert
wird. es gibt aber praktisch keine andere möglichkeit der synthese
dieser fettsäure in der natur, d.h. der obligate vorläufer der
arachidonsäure ist die linolsäure. möglicherweise greift
unser organismus tatsächlich nur in besonderen situationen auf diesen
syntheseweg zurück, da er bei entsprechenden ernährungsgewohnheiten
seinen bedarf an arachidonsäure überreichend aus der nahrungskette
deckt. hier jedoch die frage, wie dies im falle von chronischen entzündungen
aussieht ? bei einem massiven verbrauch von arachidonsäure durch
eine entzündung kann der verfügbarkeit der linolsäure in
den zellmembranen im sinne eines substratnachschubes entscheidende bedeutung
zukommen.
kommentar:
d.h. im entzündungsfalle wird soviel arachidonsäure verbraucht,
dass der körper kontinuierlich neue arachidonsäure aus linolsäure
produzieren muss, bzw. meint produzieren zu müssen. nun; ein teufelskreis.
die frage bleibt offen, ob der körper überhaupt von selbst
in diesen teufelskreis gerät, d.h. arachidonsäure meint produzieren
zu müssen.
2. MS-patienten weisen
im blut und liquor cerecospinalis erniedrigte konzentrationen ungesättigter
fettsäuren auf. besonders ist dieses defizit bei linol- und arachidonsäure
ausgeprägt, sowie bei den noch höher ungesättigten omega-3-fettsäuren.
untersuchungen zur resorptionsfähigkeit von fettsäuren der betroffenen
ergaben, dass keine aufnahme- oder verwertungsstörung vorliegt (nach
neu und woelk 1982/83). vielmehr scheint die ursache des defizits im erhöhten
verbrauch von linol- und arachidonsäure zu sein. es handle sich wahrscheinlich
um einen selbstschutzmechanismus des körpers (neu, 1982).
kommentar:
die verminderten linol- und arachidonsäurewerte sind aufgrund der
entzündungen erklärbar. der mangel an omega-3-fettsäuren
ist nicht erklärt. mögliche gründe dafür könnten
z.b. sein, dass dieser durch eine unterdrückung des omega-3-syntheseweges
aufgrund einer hohen synthesemenge von omega-6-fettsäuren erklärt
ist, oder einfacherweise auch durch mangelnde zufuhr an omega-3-fetten
in der ernährung. siehe hierzu das kapitel der fette,
bzw. omega-3-fettsäuren.
3. adam hat hochinteressante
befunde über die aufnahme von linolsäure im rahmen einer kontrollierten
diätstudie und die ausscheidung von abbauprodukten der prostaglandine
vorgelegt. es konnte nachgewiesen werden, dass bei gesunden frauen, die
sich einer hohen linolsäurezufuhr unterzogen, in bestimmten blutfetten
der gehalt an linolsäure stark anstieg und die arachidonsäure
beeindruckend vermindert wurde. die logische konsequenz wäre eine
abnahme der entzündungsfähigkeit, da die aus arachidonsäure
entstehenden entzündungsstoffe verringert sind.
-
- adam veröffentlichte
zwei grafiken, aus welchen eindeutig hervorgeht, dass die menge der
aus der arachidonsäure entstandenen prostaglandinabbauprodukten
umso grösser ist, je reicher die nahrung an linolsäure war.
die übereinstimmung mit tierexperimentellen befunden ist hochgradig.
-

graphik aus "fundamente
der hoffnung", olaf hebener
untersuchte man nun
einzelne prostaglandine auf ihre veränderungen bei einer diät,
so blieb das kreislaufwirksame prostaglandin F2-alpha auch ohne
linolsäurezufuhr praktisch unverändert, das entzündungstechnisch
wichtige prostaglandin E2 hingegen zeigte eine massive verringerung der
ausscheidung bei ausschluss der linolsäure aus der nahrungskette.
-
- für hebener nun
die konsequenz:
trotz der tatsache, dass bei einer hohen linolsäurezufuhr veränderungen
der fettverteilung resultieren, welche entzündungshemmend sein
müssten, wird die ausscheidung von folgeprodukten der arachidonsäure
gesteigert. auch
wenn er keine erklärung für diesen scheinbaren widerspruch
hat, so empfiehlt er MS-patienten weiterhin, die linolsäurezufuhr
in der ernährung einzuschränken.
- zudem zeigte adam,
dass auch bei ratten erhöhte konzentrationen im plasma und auch
eine höhere ausscheidung an prostaglandinmetaboliten im urin unter
linolsäurereicher fütterung gemessen wurden. weitere messungen
zeigten beim menschen und bei ratten eine annähernd gleichartige
stimulierbarkeit der prostaglandinbiosynthese durch linolsäurezufuhr.
kommentar:
das heisst, je mehr linolsäure zugeführt wird, umso mehr abbauprodukte
(prostaglandine) der arachidonsäure sind nachzumessen. dies im
widerspruch zur messung bei den gesunden frauen, welche, je mehr linolsäure
sie zu sich nahmen, umso weniger arachidonsäure in ihren blutfetten
gefunden wurde.
hier ist jedoch anzumerken,
dass die erhöhung der prostaglandin-produktion bei adam's experiment
nur vorübergehend war, d.h. in den ersten 10 tagen. danach sanken
die werte und fielen zu schluss des experiments (nach 6 wochen) sogar
unter den anfangswert.
aus adam's bericht: the eicosanoid
biosynthesis, measured as TNPDA, decreased within 24h with the eperimental
subjects on the LFD 0. with the LFD 20 an increase of eicosanoids transformable
to TNPDA was observed till the 10th day, then the TNPDA levels gradually
decreased, and we found lower amounts in the 24-hour-urin-samples than
observed with the conventional diet.
leider war es uns nicht möglich,
die quelle der graphik zu finden, welche von hebener veröffentlich
wurde.
hier jedoch noch zwei graphiken aus adam's bericht zur verdeutlichung
:
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kurze erläuterung hierzu:
LFD 0 war die testgruppe mit einer
flüssigernährung ohne fette und arachidonsäure.
LFD 20 hatte 30% fett aus linolsäure in ihrer nahrung. das
experiment dauerte insgesamt 6 wochen, wobei die ernährungsweise
nach 3 wochen wechselte.
in der graphik ist der scheinbare
widerspruch ersichtlich, dass eine erhöhte aufnahme von linolsäure
(LA) ein sinken des arachidonsäure-pegels (AA) bewirkt.
bei der gruppe LFD 20 (hohe linolsäureaufnahme)
ist zudem der sich erst erhöhende, und dann sich senkende
anteil an linolsäure im blut ersichtlich. |

quelle bilder:
adam, siehe quellenangaben unten. bilder wurden zur besseren übersicht
eingefärbt.
die erhöhte prostaglandin-bildung
ist laut adam durch das ersetzen der arachidonsäure aus den zellmembranen
erklärt, was eine vorübergehende produktion an prostaglandinen
erzeugt. dieser prozess schreitet voran, bis eine normale zellfluidität
hergestellt ist. nach etwa 2 wochen ist dieser beendet und es wurde
eine reduktion der TNPDA (gemeinsames stoffwechselprodukt von der prostaglandine)
festgestellt, obwohl weiterhin hohe mengen an linolsäure eingenommen
wurde.
aus adam's bericht: the LFD 20 transiently
increased the PGD, PGE, and PGF levels transformable to TNPDA. it seems
feasible that excessive amounts of LA, as provided by the LFD 20, result
in a replacement of AA to maintain an appropriate cell fluidity. this
process may continue, until normal cell fluidity ist regained, thus
leading to a temporarely increased release of AA and stimulated PG biosynthesis.
this process is terminated after 2 weeks, when we observed a reduction
of TNPDA despite the continued high LA intake. it cannot be exluded
that formation of isoprostanes (anm.: rückstände von durch
freie radikale zerstörte fette) additionaly contributes to the
temporarily increased TNPDA formation.
4. die diätempfehlungen sind aus
umfangreichen erfahrungen mit MS-patienten geschöpft, welches dieses
konzept praktizierten und noch praktizieren. diese erfahrung darf nicht
ignoriert werden. nur eine konsequente einhaltung des linolsäurearmen
konzepts gewährleistet den therapieerfolg.
kommentar:
hierzu muss
natürlich erwähnt sein, dass auch andere ernährungsempfehlungen
bei MS erfolge erzielen, in welchen gegenteilige empfehlungen wie z.b.
des konsums an mehrfach ungesättigten fetten wie sonnenblumen-
oder gar weizenkeimöl (reich an linolsäure) im vordergrund
stehen. siehe hierzu u.a. die ernährungsempfehlungen von evers,
crawford, kousmine,
millar oder swank.
zusammenhänge und schlussfolgerungen,
wie auch unsere persönliche sichtweise dieser problematik sind im
kapitel "fazit" ersichtlich. |